Mentoring für Aufsteiger: Wenn die Eltern nicht studiert haben

Der erste Akademiker in der Familie zu sein, ist nicht immer leicht. Ein neues Mentoring-Programm will First Generation Students am Ende des Studiums und beim Berufseinstieg unterstützen.

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Volljuristin, MBA, Führungsposition bei einem internationalen Technologiekonzern – Stefanie Mattes hat es weit gebracht. Zum Erstaunen manch eines Personalers. Sie solle lieber froh sein, es so weit gebracht zu haben. Und: Ihr würde das Netzwerk nach oben fehlen. Solche Kommentare musste sie sich anhören, als sie sich um ihre aktuelle Position bewarb. Das berichtet sie selbst im Magazin Personalwirtschaft. „Es gibt viele Faktoren, die eine Karriere beeinflussen: Leistung ist einer davon, aber nicht alles,“ sagt sie dort.

Kein familiäres Netzwerk

Ein Grund für die Vorbehalte: Mattes stammt aus einem bodenständigen Elternhaus, ihre Eltern sind Krankenpfleger. Als erste in ihrer Familie hat sie studiert und war bei Karriereentscheidungen stets auf sich allein gestellt. Anders als junge Menschen aus einem Akademiker-Haushalt könnten Studierende der ersten Generation meist nicht auf das berufliche Netzwerk ihrer Familie und deren Bekanntenkreis zurückgreifen. Sich beruflich zu etablieren, sei deshalb schwieriger, weiß Mattes aus eigener Erfahrung.

Statt prestigeträchtige Praktika zu absolvieren, musste sie ihr Bafög mit zahlreichen Nebenjobs aufbessern. Auch ihr Berufseineinstieg verlief nach einer verpatzten Aufnahmeprüfung beim Auswärtigen Amt alles andere als gradlinig, wie sie auf der Website freimütig berichtet. „Einen Plan B hatte ich nicht, genauso wenig jemanden, der mir raten konnte, und selbstverständlich keinerlei Netzwerke“, schreibt sie dort. „Für mich bedeutete das erst mal: Ich-AG und so wenig Geld wie nie zuvor.“

Hilfe für First Generation Students

Um anderen in ihrer Lage zu helfen und für mehr Chancengleichheit zu sorgen, hat Mattes die gemeinnützige Mentoring-Plattform „Aufsteiger“ gegründet. Hier treffen junge Erstakademiker auf erfahrene Fach- und Führungskräfte, die sie beim Berufseinstieg begleiten oder bei den nächsten Karriereschritten beraten und unterstützen. Bis heute haben dort rund 700 Mentoren und Mentees zusammengefunden.

So kannst Du Aufsteiger-Mentee werden:

Das Programm wendet sich an Menschen, die als erste in ihrer Familie studiert haben, im Abschluss-Jahr ihres Studiums stehen und den Einstieg in einem Wirtschaftsunternehmen planen. Auch wer bereits einige Jahre Berufserfahrung hat und mehr Verantwortung übernehmen möchte, kann sich bewerben. Denn auch in einer Führungsrolle sind Mentees von im Aufsteiger-Programm die Ersten in ihrer Familie und sollen deshalb vom Wissen, der Erfahrung, der Perspektive und den Netzwerken der Mentorinnen und Mentoren profitieren.

 

Quelle: Personalwirtschaft, Aufsteiger.org