Willkommen im Club

Große Industrieunternehmen unterscheiden immer öfter zwischen Praktikanten erster und zweiter Klasse und schaffen für ihren Talentpool eigene Alumni-Clubs. Wer rein will, muss sich anstrengen.

Bei Porsche heißt es "Pole Position", bei BMW "Fastlane". Bei Dr. Oetker ist der Name Programm: "Stay in Touch", ebenso bei Philips mit "Keep in Contact" - die Rede ist von exklusiven Karriere-Netzwerken, mit denen vor allem große Unternehmen vielversprechende Nachwuchskräfte frühzeitig an sich binden wollen. Der Weg in einen der zahlreichen Talent-Schuppen führt für Studenten in der Regel über ein Unternehmenspraktikum. Doch wer als Praktikant seine Aktivitäten auf Kaffeekochen und Kopieren beschränkt, bekommt garantiert keine Einladung.

Nur die Besten qualifizieren sich für so ein Alumni-Netzwerk: "Von weltweit 1.200 Praktikanten im Jahr werden die besten zehn Prozent als Kandidaten für unser Programm Career Track identifiziert", sagt zum Beispiel Andrea Juchems, Recruitment Manager beim Waschmittel- und Kosmetikkonzern Henkel in Düsseldorf. Die Empfehlung des Vorgesetzten ist aber erst die halbe Miete. Zusätzlich müssen die nominierten High Potentials sich im Assessment-Center bewähren. Wer das strenge Auswahlverfahren besteht, den erwarten als "Trackie" bei Henkel zum Beispiel exklusive Seminare, Trainings und Workshops. "Außerdem machen wir Auslandspraktika und Studienarbeiten möglich", ergänzt Andrea Juchems.

Bei vielen Unternehmen winkt jungen Talenten, die im Praktikum bleibenden Eindruck hinterlassen haben, eine Vorzugsbehandlung. Wer es zum Beispiel ins Talentbindungsprogramm "Booz Your Career" der Unternehmensberatung Booz & Company schafft, wird regelmäßig zu unternehmensinternen Veranstaltungen eingeladen und darf sich mit Fach- und Karrierefragen jederzeit an die Booz-Kollegen wenden.

Karrieresprungbrett

Um bei BMW auf die Überholspur zu gelangen, brauchen Praktikanten nicht nur eine Empfehlung ihres Betreuers, sondern auch gute Noten und einen überzeugenden Lebenslauf. Ins studentische Förderprogramm „Fastlane“, das sich vor allem an Ingenieure wendet, werden herausragende Praktikanten und Werkstudenten aufgenommen, die außerdem zu den oberen 30 Prozent ihres jeweiligen Jahr- und Studiengangs zählen und mit spannenden Studienprojekten oder Ehrenämtern auch noch beweisen, dass sie engagiert und vielseitig sind. Über die Aufnahme der vorgeschlagenen Kandidaten ins Programm entscheidet eine Auswahl-Jury. Im Schnitt bleiben Fastlane-Teilnehmer 18 Monate dabei. Während dieser Zeit werden sie von einem Mentor begleitet, der ihnen beim Aufbau eines internen Netzwerks hilft und regelmäßig Feedback zur persönlichen und fachlichen Weiterbildung gibt. Studenten auf der "Überholspur" kommen nicht nur leichter an internationale Praktika, Diplom- und Studienarbeiten bei BMW, sondern haben später auch gute Chancen auf einen Job. Rund 75 Prozent der Fastlane-Absolventen wechseln von der Uni direkt in den Automobilkonzern.

Auch Porsche rekrutiert nach eigenen Angaben rund 80 Prozent der akademischen Nachwuchskräfte aus dem hauseigenen Praktikanten-Club. Das Rennen um einen Platz in der "Pole Position" ist allerdings hart. Von 12.000 Bewerbern jährlich erhalten rund 500 einen Praktikumsplatz bei Porsche. Mit den Besten hält das Unternehmen bis zum Ende des Studiums Kontakt, vermittelt ihnen Auslandspraktika, Werkstudenten-Jobs oder Diplomarbeiten. Einmal im Jahr lädt Porsche die erfolgreichen Ex-Praktikanten außerdem zu einem besonderen Event ein, beispielsweise zu einer Werksbesichtigung oder der Präsentation eines neuen Modells. "Das ist eine Win-Win-Situation für alle Betei-ligten. Wir lernen den Nachwuchs kennen und die Studenten uns", lobt Porsche-Personalvorstand Thomas Edig das seit vielen Jahren etablierte Programm.

Ähnliche Vorteile sehen seine Kollegen bei Daimler, VW oder Nutzfahrzeugbauer MAN, die sich ebenfalls eigene Talent-Pools leisten. Auch Banken, darunter HypoVereinsbank, Deka oder DZ Bank, Prüfungs- und Beratungsgesellschaften wie Booz & Company, KPMG oder Steria Mummert und große Industrieunternehmen wie Cognis oder BoschRexroth unterscheiden immer öfter zwischen Praktikanten erster und zweiter Klasse. Die Aufnahme in einen Alumni-Club ist zwar noch keine Garantie auf einen Arbeitsvertrag, doch die dort erworbene Branchen- und Praxiserfahrung sehen auch Personalentscheider anderer Unternehmen sehr gerne.


Eine Nasenlänge voraus

Außerdem profitieren die Teilnehmer solcher Programme in der Regel von attraktiven, jobrelevanten Weiterbildungsangeboten, die an der Uni oft zu kurz kommen, beispielsweise Trainings in Präsentationstechnik, Projektmanagement oder Verhandlungsführung. Der größte Pluspunkt ist jedoch der Aufbau eines internen Netzwerks.

Wer als Ex-Praktikant in ein Unternehmen einsteigt, hat dadurch gegenüber externen Bewerbern einen nicht zu unterschätzenden Startvorteil. Als Student geht man in der Regel noch deutlich unbefangener auf Kollegen und Vorgesetzte zu als ein Berufseinsteiger in der Probezeit und kann ganz locker Kontakte knüpfen. Den "Erste-Klasse-Praktikanten" öffnen sich beim kontinuierlichen Netzwerken auch viele Türen in anderen Abteilungen oder auf der Chefetage, die sonst meist verschlossen bleiben.

Der Club-Charakter der Alumni-Netzwerke verbindet die Teilnehmer zudem und erleichtert auch später noch das Anbahnen neuer Kontakte: "Ich freue mich immer, wenn ich auf Veranstaltungen andere 'Ex-Trackies' kennenlerne oder wiedertreffe", bestätigt Anna Margolis. Die 26jährige Wirtschaftswissenschaftlerin arbeitet im Corporate Brand Management bei Henkel. Nach einem sechsmonatigen Praktikum in England schaffte sie den Sprung ins Henkel Career Track-Programm. Als Trackie schrieb sie bei Henkel auch ihre Diplomarbeit und hatte bereits mehrere Monate vor Abschluss des European Business Programmes an der FH Münster ihren Arbeitsvertrag in der Tasche. „Nach dem Praktikum konnte ich mir sehr gut vorstellen, später bei Henkel anzufangen, zumal man hier schon als Praktikant oder Berufseinsteiger Verantwortung für eigene Projekte übernimmt“ sagt sie.

Wer wie Anna Margolis beim Praktikum seinen Wunsch-Arbeitgeber findet, sollte sich in jedem Fall darum bemühen, in guter Erinnerung zu bleiben und den Kontakt aufrecht zu erhalten. Das klappt im Zweifelsfall auch ohne Praktikanten-Netzwerk. Über 80 Prozent aller Unternehmen gaben bei einer Umfrage der Jobguide-Redaktion an, zu ausgewählten Praktikanten Kontakt zu halten, ein spezielles Alumni-Programm unterhält allerdings nur gut ein Viertel.


Es geht auch ohne

Selbst wer bei seinem Traum-Unternehmen nach dem Praktikum nicht in den exklusiven Club aufgenommen wird, muss seine Hoffnungen auf einen Job dort deswegen nicht gleich begraben. Mit etwas Geschick und Eigeninitiative kann man trotzdem im Gespräch bleiben. Das heißt natürlich weder, die Personalabteilung wöchentlich mit Job-Anfragen zu nerven, noch erst nach zwei Jahren mal wieder ein Lebenszeichen zu senden.

Sinnvoll ist es vielmehr, sich ein bis zweimal im Jahr bei den ehemaligen Kollegen und Vorgesetzten zu melden - am besten aus konkretem Anlass. Beispielsweise wenn Sie eine wichtige Prüfung bestanden haben, sich zu einem Auslandssemester oder -praktikum verabschieden, einen Wettbewerb oder eine Auszeichnung gewonnen haben, mit einer Studienarbeit an Ihr Praktikanten-Projekt anknüpfen, Ihre Pläne fürs Hauptstudium oder eine Frage zu Ihrer Diplomarbeit besprechen möchten.

Je besser der Draht in die Abteilungen, desto eher erfahren Sie bei solchen Gelegenheiten auch spannende Interna: Ertrinkt das Projektteam gerade in Arbeit? Wird eine neue Abteilung aufgebaut oder will jemand den Job wechseln? Dann ergibt sich hier vielleicht für Sie eine Chance zum Einstieg und am Ende heißt es doch noch: Willkommen im Club!

Kirsten von Elm

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