Brauchen Startups einen CEO?

Nein, sagen drei Gründer, die es ausprobiert haben. Innovation und klassische Führungsstrukturen passen nicht zusammen, sagen sie. So funktioniert Führen als Team.

Pixabay

Es ist schon ein bisschen paradox: Von den Gründern eines Startups erwartet man, dass sie anerkannte Experten ignorieren, sich von bewährten Best Practices verabschieden und etablierte Geschäftsmodelle disruptiv aufmischen. Gleichzeitig sollen sie altmodische Führungsstrukturen übernehmen und ihr junges Unternehmen um einen zentralen Führer herum aufbauen – wie passt das zusammen?

Der Mix macht‘s

Überhaupt nicht, finden Steve Heitkamp, Arun Shanmuganathan and Sean West, Go-Gründer von Hence Technologies. Das Startup mit Standorten in Großbritannien und Ruanda unterstützt Unternehmen dabei, mittels Künstlicher Intelligenz passende Rechtsberater auszuwählen. Ganz bewusst haben die drei Gründer darauf verzichtet, einen CEO zu benennen. Das Ganze sei größer als die Summe seiner Teile, schreiben sie auf dem britischen Startup-Portal sifted.eu. Sprich: Unterschiedliche Perspektiven, Erfahrungen und Talente machen erfolgreich.

Personenkult, nein danke!

Investoren lieben zwar starke, charismatische Führer, doch eine Person als CEO nach außen zu stellen, könne zu ungesundem Personenkult und zwischenmenschlichen Spannungen führen, findet das Gründerteam. Als Trostpreis würden dann gerne weitere, oft sinnlose C-Level-Funktionen geschaffen – und schon sei man mitten in der alten Welt: „Wozu braucht ein Team von 20 Leuten einen Chief Strategic Officer und wie erfüllend ist es, Finanzvorstand in der Frühphase zu sein, wenn die einzige Aufgabe darin besteht, Geld aufzutreiben?“, fragen sie.

Kein Gründer weiß alles

Nicht nur zwischenmenschlich, sondern auch inhaltlich sei es für Startups gefährlich, sich schon sehr früh auf eine zentrale Führungsperson festzulegen. Denn im Gegensatz zum CEO eines etablierten Unternehmens hätten Startup-Gründer typischerweise keine umfassende Erfahrung darin, ein Unternehmen mit all seinen verschiedenen Belangen zu führen. Den Technologie-Guru als CEO offiziell über den Marketing-Experten zu erheben oder umgekehrt, könne den Kurs viel zu früh und zu einseitig beeinflussen, warnt das britische Gründerteam – schlimmstenfalls in die völlig falsche Richtung.

So funktioniert Führen im Team

Führen ohne CEO bedeutet für die drei Co-Gründer nicht, dass jeder Beschluss einstimmig gefasst werden muss: „Wir respektieren die Spezialitäten, die jeder von uns an den Tisch bringt“, erklären sie auf sifted.eu. Gemeinsam identifizieren sie für jedes Problem die verantwortlichen Experten und verlagern die Entscheidungsfindung in den jeweiligen Kernaufgabenbereich. Nur bei zentralen Entscheidungen, beispielsweise bei der Aufnahme neuer Investoren, müssen alle den Entschluss mittragen.

Meist seien es die Geldgeber, die sich einen CEO als einzigen Ansprechpartner wünschten, ist ihr Fazit nach zwei Jahren und 2,6 Millionen US-Dollar Startkapital in mehreren Finanzierungen. Startups kämen jedoch besser ohne Big Boss klar: „Investoren bevorzugen vielleicht Unternehmen, wo sie eine einzige Kehle würgen können. Aber wir sind stolz darauf, ihnen drei anbieten zu können.“

Zum vollständigen Artikel auf sifted.eu