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Wirtschafsprüfer drängen in Rechtsberatung

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Eine neue Studie zeigt: Wirtschaftsprüfer treten in Konkurrenz zu Wirtschaftskanzleien, weil sie dort hohe Wachstumpotenziale sehen, schreiben FAZ, LTO und Finance Magazin.

Wirtschaftsprüfer und Unternehmensberater haben eines gemeinsam: Sie verlassen ihr angestammtes Terrain und suchen sich neue Felder, um zu weiter wachsen. Dabei treten sie neuerdings in Konkurrenz zu Wirtschaftskanzleien, gelockt von den höheren Stundensätzen für Anwälte, schreibt die FAZ. Der Erfolg scheint ihnen mit dieser Strategie Recht zu geben, wie eine aktuelle Analyse des Marktforschungsunternehmens Lünendonk & Hossenfelder belegt.

Dieses hat in der Studie „Führende Wirtschaftskanzleien in Deutschland“ die Geschäftszahlen für das Jahr 2016 analysiert und die Kennzahlen der Rechtsberatungseinheiten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften mit denen klassischer Wirtschaftskanzleien verglichen. Demnach erzielten die sogenannten multidisziplinären Sozietäten (MDP) der WP-Gesellschaften ein Plus von 13,6 Prozent, während das Umsatzplus der klassischen Wirtschaftskanzleien nur bei sechs Prozent lag.

Der Trend hatte sich in bisherigen Studien zu Steuerberatungen und Wirtschaftsprüfern schon angekündigt: „Es wurde deutlich, dass WP-Gesellschaften gerade in der Rechtsberatung ein überdurchschnittlich großes Potenzial für organisches Wachstum sehen“, zitiert die FAZ den Lünendonk-Experten Jörg Hossenfelder.

Allerdings agieren die Steuerberatungsgesellschaften der Wirtschaftsprüfer noch auf niedrigem Niveau. So ist ihr Gesamtumsatz noch wesentlich kleiner als der der klassischen Kanzleien, weil bei den MDP im Schnitt 149 Berufsträger arbeiten, bei den Kanzleien aber 269. Vor allem aber können die MDPs mit ihrer breiten Aufstellung als Abschlussprüfer, Berater und Anwälte geringere Honorarsätze erzielen als die spezialisierten Anwälte der Kanzleien. Die Folge: Nur 315.800 Euro setzt ein Berufsträger in den MDPs um, die Anwälte in den Wirtschaftskanzleien kommen mit einem Umsatz von 600.100 Euro pro Berufsträger auf fast das Doppelte. Wollen die MDP gleichziehen, müssen sie höhere Honorare durchsetzen.

Helfen könnte dabei der Trend zur Digitalisierung. So setzen die WP-Gesellschaften und Berater auf neue Technik, um die eigenen Dienstleistungen effizienter anzubieten. Mit „Legal Tech“ lassen sich viele einfache Tätigkeiten automatisieren und damit kostengünstiger erledigen. Auch die Kanzleien investieren in Legal Tech, aber eher verhalten: Gerade mal vier Prozent des Umsatzes fließen in IT-Investitionen. Marktforscher Hossenfelder: „Das ist ein Zeichen, dass viele Kanzleien noch sondieren und abwarten.“

Quellen: FAZ, 27. Januar 2018, Printausgabe Seite 24;
Legal Tribune Online
, 26. Januar 2018;
finance-magazin
, 26. Januar 2018