Trickst McKinsey bei Tagessätzen?

Nach Recherchen von Bild am Sonntag soll McKinsey bei Abrechnungen „tricksen“, um die niedrigen durchschnittlichen Tagessätze bei öffentlichen Aufträgen einzuhalten.

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Von Transparenz hält McKinsey nur bei seinen Kunden viel. „The Firm“ selbst gibt weder einen Geschäftsbericht heraus noch legt es die Gehälter seiner Topmanager offen. Jetzt hat Bild am Sonntag (BamS) die internen Tagessätze der McKinsey-Berater veröffentlicht und beruft sich dabei auf eine vertrauliche interne Präsentation. Demnach veranschlagt die Strategieberatung für ihre Direktoren (Partner) einen Tagessatz von 10.800 Euro, die Tagespauschale für Anfänger wird für interne Verrechnungszwecke auf 1.500 bis 3.000 Euro taxiert und selbst Praktikanten haben einen internen Tagessatz von 500 bis 900 Euro.

Auch wenn nach Angaben des McKinsey-Pressesprechers interne Tagessätze nicht gleichzusetzen sind mit den tatsächlichen Preisen für die Beratungsleistung, kommt die BamS zu dem Schluss: „Jeder Partner, der Kundenverträge verhandelt, muss am Ende dafür sorgen, dass bei einem Projekt genug Geld in die Kasse kommt, um mindestens die internen Tagessätze finanzieren zu können. Denn Meckies wollen Geld verdienen. Viel Geld.“

Dabei fließt das Geld nach BamS-Angaben vor allem in die Taschen der Direktoren. Für einen Anfänger können schon mal bis zu 100.000 Euro anfallen, der Umsatz mit ihm liegt – schreibt die BamS –  für McKinsey aber bei einer halben Million. McKinsey-Deutschlandchef Cornelius Baur soll nach BamS-Angaben jährlich einen mittleren Milllionenbetrag beziehen.

Die Tagessatz-Kalkulation wirkt sich auch auf die Rechnung an die Kunden aus. Gerade im Umgang mit Behörden kalkuliert McKinsey mit weitaus niedrigeren Tagessätzen als etwa mit Konzernen.  Laut BamS zahlt der Versicherungskonzern Ergo Tagessätze zwischen 3.000 und 9.400 Euro, der Staat muss aber scheinbar weniger zahlen. Da Beratungshonorare von 1.000 Euro und mehr die Stunde nicht leicht zu vermitteln sind, müsse sich McKinsey bei staatlichen Aufträgen bescheiden geben oder sein gutes Netzwerk nutzen. Und dabei soll nach Recherchen der Zeitung McKinsey tricksen, um die niedrigen durchschnittlichen Tagessätzen bei Behördenaufträgen einzuhalten.

Die Bild am Sonntag listet auf: So sollen die Meckies selbst für Praktikanten einen Tagessatz von 2.000 Euro berechnet haben und um den durchschnittlichen Tagessatz zu drücken, auch Backoffice-Kräfte wie Sekretariat oder Technik mit eingerechnet haben. Außerdem kämen häufiger auch Berater von der Billigtochter Orphoz zum Einsatz, die intern nur die Hälfte eines McKinsey-Beraters kosten. Zudem steige McKinsey gern bei staatlichen Behörden mit kostenlosen Leistungen ein, um anschließend einen Folgeauftrag ohne Ausschreibung zu kassieren.

Quelle: Bild am Sonntag, 30. April 2017, Printausgabe