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Sind Steuerberater eine aussterbende Spezies?

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Der deutsche Steuerberater ist im Schnitt 52 Jahre alt und kämpft verbissen mit der Digitalisierung. Mit einem neuen Online-Steuerportal für Privatleute will die Datev die Branche jetzt für technikbegeisterte Nachwuchskräfte attraktiver machen, schreibt die FAZ.

Droht die Steuerberaterbranche zu vergreisen und der Digitalisierung zum Opfer zu fallen? Wer sich die offiziellen Zahlen über das Durchschnittsalter der Steuerberater hierzulande anschaut – es liegt bei 52,1 Jahren – kommt zumindest zu dem Schluss, dass viele Beraterkollegen in diesem Feld das Rentenalter bereits in Sichtweite haben. Gleichzeitig machen sich viele Steuerberater Sorgen, dass die zunehmende Automatisierung ihren Job wegrationalisiert.

Und tatsächlich: Schon jetzt zeichnet sich ab, dass in den Kanzleien die „Konzentrationstendenzen“ zunehmen. Seit einiger Zeit sinkt der Anteil der selbstständigen Steuerberater. Neulinge scheuen die Selbstständigkeit. Und zunehmend auch die gesamte Branche. „Der Nachwuchs interessiert sich nicht mehr so für den Steuerberaterberuf wie noch vor 10 oder 20 Jahren“, sagt Eckhard Schwarzer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Datev in Nürnberg. Bei dem drittgrößten Anbieter von Geschäftssoftware in Deutschland weiß man, wovon man spricht, schließlich zählt die Datev als genossenschaftlich organsierter Verbund rund 40.000 Berater als Mitglieder.

Schwarzers Devise lautet: „Wehret den Anfängen. Bevor neue Internetportale sich auch in der Steuerwelt zwischen Produzenten und Kunden drängen – wie etwa Airbnb in der Hotelerie oder Uber im Verkehr – soll sich die Branche selbst am besten neu erfinden.

Deshalb hat sich die Datev, die zu den Pionieren für Cloudlösungen zählt und als IT-Dienstleister für Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte tätig ist, jetzt vorgenommen, ab 2019 mit einem neuen Datev-Steuerportal der Branche neue Hoffnung einzuhauchen. Zielgruppe der neuen Cloudlösung sind bis zu 13 Millionen Bundesbürger, die bisher noch keinen Steuerberater nutzen. Die Idee: Über das Internetportal sollen künftig auch Privatleute von der Datev bei einfachen Fragestellungen Unterstützung in Steuerfragen erhalten und sich – wenn es komplexer wird – mit einem Mausklick an einen Datev-Steuerberater in ihrer Nähe wenden können.  

Gleichzeitig hofft die Datev, dass sie selbst, ebenso wie die ganze  Steuerberaterzunft, mit ihrem Portal für den technikbegeisterten Nachwuchs attraktiver wird. Nach dem Motto: Wenn die Zeiten ohnehin vorbei sind, in denen Steuerberater in erster Linie immer wiederkehrende Tätigkeiten verrichten, wollen wir dafür sorgen, dass unsere Genossenschaftsmitglieder zumindest als Berater für komplexere Steuerfälle über ein gemeinsames Internetportal im Geschäft bleiben.   

Nicht alle Steuerberater sind von dem Vorstoß der Datev begeistert. Schließlich ist die Datev-Cloud in der Lage, in riesigem Umfang auf gesammelte Datenmengen zurückzugreifen und mithilfe von Big Data-Analysen bessere Ergebnisse zu erzielen, das heißt, für den Mandanten mehr Geld herauszuholen. Die Kritiker befürchten, dass die Datev ihnen am Ende nur die Kunden abjagt.


Quellen: FAZ, 16. Juli 2018, Printausgabe Seite 22

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