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Salesforce: Wachstum um jeden Preis

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Bei Software für Geschäftsbeziehungen ist Salesforce global unangefochten die Nummer eins. In Deutschland wollen die Amerikaner an SAP vorbeiziehen und um jeden Preis wachsen, schreibt das Handelsblatt.

Geht es um Kunden, haben sich die digitalen Möglichkeiten gewandelt. Früher bildete eine Software für Customer Relationship Management (CRM) nur die internen Geschäftsprozesse ab, heute geht es um alles, was sich mit dem Kunden beschäftigt. Unter den Anbietern gibt es mit Salesforce eine unangefochtene Nummer eins. 10,5 Milliarden US-Dollar setzte das Unternehmen 2017 mit CRM-Software um und erreichte einen Marktanteil von 18,8 Prozent. Dabei setzte das Management Wachstum stets vor Profitabilität.

Weil Salesforce aber in einem lukrativen Markt unterwegs ist, den der Marktforscher Gartner auf 45 Milliarden US-Dollar 2018 taxiert, haben Wettbewerber zum Angriff geblasen. Allen voran SAP. Mit einem Umsatz von 231 Millionen Euro im zweiten Quartal 2018 erzielten die Walldorfer zwar ein Wachstum von 57 Prozent, aber gleichzeitig nur einen Bruchteil des Salesforce-Umsatzes. Der liegt pro Quartal bei rund drei Milliarden US-Dollar.

In Deutschland herrschen hingegen umgekehrte Verhältnisse. Hier hat SAP die Nase vorn. Zu den Kunden von Salesforce hierzulande zählen die Deutsche Bahn, Siemens und Hapag-Lloyd. Auch für den Branchengiganten aus den USA ist Deutschland ein wichtiger Markt, auf dem die Amerikaner nun SAP überholen wollen. Dabei ist SAP hierzulande nicht nur erfolgreicher, sondern generell auch deutlich profitabler. Für Salesforce rächt sich, dass das Management zu sehr auf Wachstum gesetzt hat. 2017 und 2018, schreibt das Handelsblatt, verdiente Salesforce zwar ein wenig Geld, in den Jahren zuvor schrieb das Haus aber unterm dem Strich sogar rote Zahlen. Die operative Marge lag im vergangenen Geschäftsjahr bei gerade mal 2,25 Prozent, während bei SAP 20,8 Prozent in den Bücher stehen.

Die Amerikaner bemühen sich daher, in neue Geschäftsfelder vorzustoßen. Ein Beispiel: Der Aufzughersteller Kone plant, die Suche nach einem Techniker, wenn jemand im Fahrstuhl stecken geblieben ist, zu automatisieren. Das geschieht per Salesforce-Software, die die Außendienstler per Lebenslauf und Fortbildung selektieren können, wer sich mit dem betreffenden Liftmodell auskennt. Salesforce bemüht sich daher, auch komplexe Prozesse abzubilden. Dieses Know-how muss das Unternehmen allerdings mit viel Geld zukaufen. Hinzu kommt: Die Investitionen für Marketing und Vertrieb verschlangen allein 2018 bisher  schon 4,83 Milliarden US-Dollar – 46 Prozent des Umsatzes. Zuletzt kauften die Amerikaner Datorama, den Entwickler einer Marketingplattform, für den Softwareriesen Muleforce, Spezialist für Integrationssoftware, waren es vor ein paar Monaten sogar 6,5 Milliarden US-Dollar. Weitere 1,55 Milliarden US-Dollar steckt die Softwareschmiede in Forschung und Entwicklung.

Aktionäre und Analysten sind jedoch überzeugt, dass die Strategie sich auszahlen wird. Aktuell hat Salesforce einen Börsenwert von 112 Milliarden Dollar, das ist etwas weniger als SAP und rangiert auf Siemens-Niveau. 

 

Quelle: Handelsblatt