Wirtschaftsanwälte verdienen blendend

Der deutsche Kanzleimarkt spürt keine Krise. Schon im zehnten Jahr in Folge eilt er von einem Umsatzrekord zum nächsten. Die Juristen profitierten vor allem vom Dieselskandal, meldet die FAZ.

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Wenn zwei sich streiten, freut sich der Anwalt: Der drohende Brexit, die Handelskonflikte und der Dieselskandal bescheren den Rechtsvertretern blendende Geschäfte. Das gilt vor allem für die großen, internationalen Kanzleien, die nicht auf eine Anpassung nationaler Gebühren durch die Gesetzgeber angewiesen sind. Bereits im zehnten Jahr in Folge eilen internationale Großkanzleien und mittelständische Sozietäten zu Umsatz-Bestwerten. 2018 legten die 100 umsatzstärksten Kanzleien um acht Prozent auf 6,8 Milliarden Euro zu, zitiert die FAZ eine Erhebung des Fachverlags „Juve“.


Freshfields Bruckhaus führt Umsatzliste an
Die Top10 der umsatzstärksten Sozietäten erzielten davon allein mehr als ein Drittel, rund 2,4 Milliarden Euro. An der Spitze steht Freshfields Bruckhaus Deringer mit 442 Millionen Euro, gefolgt von CMS Hasche Sigle (323 Mio. Euro) und Hengeler Mueller (249 Millionen Euro). Ihnen half vor allem der Dieselskandal – es gibt kaum eine Sozietät, die nicht von einer Klage gegen VW, deren Vertragshändler oder deren Zulieferer wie Bosch profitiert. 1,77 Milliarden Euro hat VW bis dato in die Rechtsstreitigkeiten investiert.


Mehr Juristen-Jobs durch Diesel-Skandal
Bewältigen ließ sich diese Nachfrage nur durch ein Aufstocken beim Personal. Allein Freshfields stellte im Vergleich zum Vorjahr noch mehr Junganwälte ein, und trotzdem ließen sich die 65.000 Einzelklagen gegen Volkswagen und seine Vertragshändler kaum bewältigen.

Tatsache ist auch, dass diese lukrative Einnahmequelle in ein paar Jahren versiegen könnte, vor allem, wenn es ein höchstrichterliches Urteil gibt. Diesem Ausfallrisiko wollen vor allem die Sozietäten mit angloamerikanischem Hintergrund umgehen und setzen noch stärker auf Digitalisierung, etwa durch die Gründung eigener Tech Labs oder Kooperationen mit Start-ups.


Job-Chancen für ITler in Kanzleien

Die Kanzlei Linklaters investiert beispielsweise zurzeit in ein Feld mit „eigentlich nicht anwaltlichen Tätigkeiten: „Legal Operations“. Das ist ein noch junger, wachsender Bereich, in dem Projektjuristen mit einem Faible für Organisation und Management sowie IT-Spezialisten eng zusammenarbeiten. Das Ziel: Unternehmen dabei zu unterstützen, die internen Abläufe ihrer Rechtsabteilungen noch effizienter zu gestalten.

 

Quelle: FAZ, 26. September 2019, Printausgabe Seite 22

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