Verschärfte CO2-Vorgaben kosten bei VW Stellen

Die verschärften CO2-Vorgaben der EU zwingen die Autoindustrie, mehr Elektroautos zu bauen. Das kostet Jobs. Im Abendblatt-Interview kündigte VW-Chef Herbert Diess an, doch mehr Arbeitsplätze abbauen zu müssen als bislang geplant.

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Die Autoindustrie klagt, die Umweltverbände sind halbwegs zufrieden: Im Dezember einigten sich die EU-Mitgliedsstaaten darauf, strengere Grenzwerte für den CO2-Ausstoß zu schaffen und legten eine Reduzierung des Flottenausstoßes um 37,5 Prozent fest – deutlich mehr als die von Autoindustrie als machbar angesehenen 30 Prozent. Für VW heißt das: „Um das Flottenziel erreichen zu können, müssten wir in Europa bis 2030 den Anteil der Elektro-Fahrzeuge auf 40 Prozent unseres Gesamtabsatzes erhöhen“, sagte VW-Chef Herbert Diess im Abendblatt-Interview. „Unser beschlossenes Umbauprogramm reicht dafür nicht aus.“ Auch VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh warnte angesichts der verschärften Grenzwerte beim CO2-Ausstoß sogar vor „unkontrollierbaren Arbeitsplatzverlusten.“

Die Konsequenz aus den neuen Vorgaben heißt für Diess: VW muss mehr Arbeitsplätze abbauen als vorgesehen. Der Konzern war davon ausgegangen, Arbeitsplätze entlang der demografischen Kurve einzusparen. Dass VW zur Einhaltung von Klimazielen Arbeitsplätze abbauen will, ist nicht neu. Schon im Oktober 2018 verkündete Diess im Spiegel mit Blick auf eine Verschärfung, dass sein Konzern in den nächsten zehn Jahren 100.000 Jobs streichen müsste – also knapp jede vierte Stelle. Ende 2016 hatte VW noch davon gesprochen, im Rahmen des Zukunftspakts bis 2025 rund 23.000 Stellen zu streichen. Weil gleichzeitig 9.000 neue Stellen geschaffen werden, sah der Saldo 14.000 weniger Stellen vor, die über Altersteilzeit wegfallen sollen.

Durch die neuen Technologien ergeben sich jedoch auch neue Jobchancen vor allem im IT-Bereich, da die Autos immer mehr zu fahrenden Apps werden. Schließlich verarbeiten die Autos schon heute Gigabyte an Daten, die die Sensoren und Kameras in die Rechnereinheiten des Fahrzeugs schicken – und zwar für die ganzen Assistenzsysteme. Hinzu kommen die Applikationen, die Daten aus dem Internet benötigen, von der Navigation bis hin zu den Entertainment-Funktionen, die die Insassen nutzen. VW setzt daher auf ein eigenes Ausbildungsprogramm, damit Mitarbeiter sich zu Software-Experten entwickeln können.

Auch durch die Ladeinfrastruktur ergeben sich neue Arbeitsfelder – selbst bei VW. Chef Diess fordert zwar einen generellen Masterplan zur Ladeinfrastruktur und Umstellung der Klimapolitik auf regenerative Energien, aber sein Konzern wird auch selbst aktiv. So stellte VW erst im Dezember eine mobile Ladesäule vor, mit der E-Autos ihre Batterien schneller laden können. 17 Minuten soll ein Ladezyklus dauern, ein Pilotprojekt in Wolfsburg startet noch im ersten Halbjahr 2019, ab 2020 könnten weitere Städte folgen. Gefertigt werden die Säulen in der neuen Komponenten-Sparte, die seit 1.1.2019 eine eigene Einheit bildet

Quellen: Hamburger AbendblattARDFAZ