Von dieser Doppelstrategie profitieren auch die Unternehmensberater. Allen voran die großen internationalen Strategiehäuser wie McKinsey, BCG und Roland Berger. Aber auch kleinere, vor allem hoch spezialisierte Beratungshäuser verzeichnen wachsenden Beratungsbedarf - etwa zu Finanzierung, Marketing und Vertrieb sowie Innovation.
Die Consulter meisterten die Krise besser als gedacht. Insgesamt wuchs der deutsche Beratungsmarkt 2010 um sieben Prozent auf 18,9 Milliarden Euro Umsatz, schätzt der BDU, unter dessen Dach viele kleine und mittlere Beratungshäuser organisiert sind. Die Branche habe damit sogar den Umsatzrekord des Boomjahrs 2008 eingestellt, der bei 18,2 Milliarden Euro lag.
2011 soll der Umsatz noch einmal um sieben Prozent steigen und so plant nach einer Umfrage der WirtschaftsWoche McKinsey in Deutschland 220 Neueinstellungen, die Boston Consulting Group 210, Oliver Wyman und A.T. Kearney je 100 und Simon Kucher will bis zu 90 Nachwuchsberater an Bord nehmen. Gefragt sind Wirtschaftswissenschaftler, Wirtschaftsingenieure, Ingenieure, Informatiker, Naturwissenschaftler und Juristen - jeweils mit Best-Noten, jeder Menge Praktika und internationaler Erfahrung. McKinsey, BCG, Oliver Wyman und Simon Kucher geben zudem hochtalentierten Geisteswissenschaftlern eine Chance. Auf Talentsuche sind aber auch die eher IT- oder Technologiegetriebenen Beratungshäuser wie Bearingpoint (100 neue Stellen), Cap Gemini (170) und Steria Mummert (50).
Statt blutjunger Hochschulabsolventen goutieren die Mandanten der Berater allerdings zunehmend berufserfahrene Spezialisten, die in IT, Vertrieb oder Social Media über rares Wissen verfügen oder sich an der Schnittstellen geschmeidig bewegen können. Da solche Hochkaräter häufig nur für zeitlich begrenzte Projekte benötigt werden, buchen Unternehmen sie lieber als Berater auf Zeit statt sie selbst fest einzustellen.
Dabei setzen zwei Entwicklungen die Beratungsgesellschaften allerdings unter erheblichen Kostendruck: Zum einen sind die Anforderungen der Mandanten an die Qualifikationstiefe der Berater enorm gestiegen. Zum anderen haben die Auftraggeber den Wunsch, international aufgestellte Beratungshäuser als Brückenkopf für ihre eigene Globalisierung zu nutzen.
Die Folge: "Selbst große, global aufgestellte Markenberatungen geraten an ihre Grenzen, wenn sie weltweit in 80 Ländern Büros unterhalten, hohe Researchkosten tragen und zugleich hochkarätige Spezialisten jedweder Couleur vorhalten müssen", urteilt Dietmar Fink, Professor für Unternehmensberatung an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Sein Fazit: "In den nächsten ein, zwei Jahren wird der Beratungsmarkt zahlreiche Fusionen erleben. Darunter auch Zusammenschlüsse von Playern, die bereits heute weltweit unterwegs sind."
Dabei kommen als Käufer vor allem die sogenannten "Big Four" in Frage, die vier weltweit größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften PricewaterhouseCoopers, KPMG, Ernst & Young und Deloitte. Glaubt man der WirtschaftsWoche, so zeichnet sich bei ihnen 2011 ein kleines Jobwunder ab: Ernst & Young und PricewaterhouseCoopers planen in Deutschland je 1.200 neue Mitarbeiter unter Vertrag zu nehmen, KPMG will um 1.000 Köpfe wachsen und Deloitte immerhin auch um 650. Dabei dienen die großen Prüfungsgesellschaften vor allem Wirtschaftswissenschaftlern, Informatikern und Juristen, die frisch von der Uni kommen, als Durchlauferhitzer für ihre Karriere.
Hier bekommen Einsteiger eine fundierte Ausbildung in Rechnungswesen und Bilanzierung, um anschließend Karriere in den Reihen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften selbst zu machen. Viele absolvieren jedoch nach ihrem Studium auch ein Traineeprogramm, um anschließend als kaufmännische Leiter auf die Klientenseite zu wechseln.