Öffentlicher Dienst: Spitzenkräfte gesucht

Der Öffentliche Dienst braucht dringend Topleute aus der Privatwirtschaft. Künftig soll der Systemwechsel noch einfacher werden, sagen die Ex-Berater und heutigen Ministeriumsmitarbeiter Katrin Suder und Levin Holle im Zeit-Interview.

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Viele Berater und Wirtschaftsprüfer wechseln im Lauf ihrer Karriere die Seiten – und gehen in die Privatwirtschaft. Eine Alternative ist ein Wechsel in den Öffentlichen Dienst. Denn dort werden Topleute mit Erfahrung dringend gesucht, sagen Katrin Suder und Levin Holle. Beide haben diesen Karriereschritt vorgemacht: Katrin Suder wechselte 2014 als McKinsey-Direktorin auf einen Staatssekretär-Posten im Verteidigungsministerium. Levin Holle entschied sich bereits 2011 als Senior Partner und Leiter des Büros Berlin der Boston Consulting Group, die Abteilung Finanzmarktpolitik im Finanzministerium zu leiten.

Beiden gemeinsam ist die Tatsache, dass sie mit Blick auf die Vergütung zwar erheblich weniger verdienen, aber für sie war es auch eine Frage der Ehre. Sie zogen es vor, in ihrer Karriere für das Gemeinwohl zu arbeiten. Ihre Erfahrungen in der Privatwirtschaft kommen ihnen im Öffentlichen Dienst zugute, auch wenn sie sich an andere Gepflogenheiten gewöhnen mussten.

Statt wie im Beratungsgeschäft top-down zu arbeiten, wobei der Output nach Zielvorgaben entscheidet, läuft die Arbeit in den Ministerien eher bottom-up. Mitarbeiter, sagt Suder, säßen bis zu einem halben Jahr an komplizierten Vorlagen, ehe sie sie sieht – Zeitabläufe, die bei Beratungen undenkbar wären. Hinzu kommt ein viel höherer kommunikativer Druck, um schon frühzeitig Projekte in die richtige Richtung zu steuern.

Ein Nachteil ist aber, dass in den Ministerien die Karrierechancen sehr begrenzt sind. Dafür sind die Chancen gut, jetzt einzusteigen. Das Finanzministerium, sagt Holle, stelle derzeit fast nur Leute ein, die vorher im Privatsektor gearbeitet haben. Diese haben in der Regel zwischen drei und fünf Jahren bei einer großen Kanzlei oder in einem Konzern gearbeitet und bewerben sich dann ganz bewusst beim Staat.

 Quelle: Die Zeit, 19. Mai 2016, Printausgabe Seite 66