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Buch des Monats: Apple intern

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Einmal einen Job bei Google, Facebook oder Apple landen – der Traum vieler Studenten. Die Informatikerin Daniela Kickl hat drei Jahre in Apples Europazentrale in Irland gearbeitet. Und weil sie es dort so schrecklich fand, hat sie ihren Frust gleich in einem Buch verarbeitet.

Weil sie sich einen internen Aufstieg ins Projektmanagement erhoffte (der niemals stattfand), heuerte die junge Österreicherin im Technical Support des IT-Riesen an – der technischen Hotline für alle Appleproduktenutzer. Die Vorfreude – Mein Gott, ein Job bei Apple! – war groß, die Ernüchterung ebenso. Denn wie die meisten Callcenter ist auch das von Apple strikt durchgetaktet, lebt von Regeln, Überwachung und strenger Kostenkontrolle. Für individuelle Freiheiten und Mitdenken ist in den engen Cubicles wenig Platz, geschweige denn für Selbstverwirklichung. Da macht auch ein Lieblingsarbeitgeber keinen Unterschied.

Den Frust über die Zustände hat sich Daniela Kickl in einer sehr persönlichen, als Tagebuch angelegten Abrechnung von der Seele geschrieben. Das liest sich meistens schnell und leicht, ist aber weit entfernt von dem Enthüllungsdrama, das man als Leser möglicherweise erwartet hat.

Wer bereits im Berufsleben steckt und schon den einen oder anderen Arbeitgeber „genossen“ hat, kann sich über die beschriebenen Zustände bei Apple nicht wirklich empören. Kein Platz am Arbeitsplatz, knapp bemessene Pinkelpausen, Vorgesetzte, die streng nach Vorschrift agieren, ein geradezu rührend naives Belohnungsprogramm aus Kinogutscheinen oder Gratis-Popcorn und Mitarbeiter, die nur funktionieren sollen – das ist alles wirklich nicht schön. Aber es ist vor allem nicht selten. Die meisten Berufstätigen werden den einen oder anderen Aspekt wiedererkennen.

Autorin Daniela Kickl hat zwar zweifellos Recht, wenn sie an einer Stelle sinngemäß schreibt, dass ein Missstand nicht dadurch besser wird, dass er zum Standard geworden ist. Aber angesichts von eingepferchten Näherinnen in Indien und chemikalienverseuchten Textilarbeitern in der Türkei fällt es einem schwer, sich über Apples Call-Center-Hühnerkäfige maßlos aufzuregen. Die meisten Mitarbeiter sind immerhin freiwillig da.

Und so ist „Apple intern“ wohl am ehesten ein spannendes und erhellendes Buch für alle Apple-Jünger und für Berufseinsteiger. Ihnen zeigt es, dass auch eine Technologie-Ikone und ein Lieblingsarbeitgeber nur mit Wasser kochen.

Infos: Apple intern – Drei Jahre in der Europa-Zentrale des Technologie-Multis. Daniela Kickl, Verlag edition a, 2017, 288 Seiten, ab 16,99 Euro.