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Hidden Champions - erfolgreich und oft Weltmarktführer

Bild: (M) Fotolia

Oft sind sie schon über Generationen erfolgreich und mit ihren Produkten
Weltmarktführer. Doch mittelständische Unternehmen sind nur bei wenigen
Bewerbern als potenzielle Arbeitgeber auf dem Schirm. Sehr zu Unrecht, denn dort warten gute Karrierechancen.


Mittelstand. Das klingt für viele Bewerber nach Klitsche, altbackenem Waschbetonbau mitten in der Pampa und einem alten Firmenpatriarchen,
der immer Recht hat. Auch wenn viele ahnen, dass das nur Stereotype sind, verwundert es bei so einem Bild im Kopf kaum, dass Jobsuchende selten mittelständische Unternehmen auf dem Bewerbungszettel haben.

Und wenn die Marktforscher von Trendence alljährlich losziehen und Hochschulabsolventen nach ihren Wunscharbeitgebern fragen, landen
regelmäßig BMW, Siemens, Lufthansa oder die Deutsche Bank auf den vordersten Plätzen. Die Großen ihrer Branche eben. Die Autokonzerne sind gefragt, ihre Zulieferer sind es nicht. Und dass, obwohl viele Industriekonzerne die Forschung und Weiterentwicklung "ihrer" Produkte längst an ihre Zulieferer ausgelagert haben und viel Know-how nun dort gehegt und gepflegt wird.

Ein Phänomen, das Jörn-Axel Meyer, Direktor des Deutschen Instituts für kleine und mittlere Unternehmen, sehr vertraut ist: "Große internationale Namen verheißen Bewerbern die spannenderen Jobs. Vom Mittelstand erwarten
sie dagegen regionale, bestenfalls nationale Tätigkeiten. Aber das ist ein Trugschluss. Vielen ist nicht klar, dass man in kleineren Unternehmen sehr viel unmittelbarer an Entscheidungen beteiligt ist als in Konzernen."

Dass Bewerber so wenig Konkretes vom Mittelstand wissen, liegt nicht zuletzt an den Unternehmen selbst. Vielfach sind sie Meister in einem Geschäftsfeld, gehen damit aber in der Öffentlichkeit nicht groß hausieren. Nun kann man aus der Deckung heraus zwar wunderbar einen Weltmarkt erobern, beim Rekrutieren von Mitarbeitern hat das "Hidden" der Champions allerdings einen gewaltigen Haken: Nichteingeweihte finden sie nicht. Wer weiß schon, dass im fränkischen Fürth mit Mekra Lang einer der führenden Hersteller für Spiegel- und Kamerasysteme für LKWs und Busse sitzt - man einem Ingenieur ganz ähnlich interessante Karrierechancen bietet wie MAN oder Daimler. Und wer kommt drauf, dass im badischen Schwanau die Herrenknecht AG Weltmarktführer bei Tunnelvortriebsmaschinen ist und internationale Jobchancen in petto hat.

Das sind nur zwei Beispiele von Tausenden. Denn mit rund drei Millionen Unternehmen und fast 15 Millionen Beschäftigten spielt die Musik in der deutschen Wirtschaft ganz klar im Mittelstand. Dabei ist das viel beschworene Rückgrat der Volkswirtschaft ein sehr heterogenes Gebilde, mit dessen Erfassung man sich schwer tut. Die Europäische Union definiert als Mittelstand Unternehmen mit einer Belegschaft von 50 bis 249 Mitarbeitern und bis zu 50 Millionen Euro Umsatz oder bis zu 43 Millionen Euro in der Jahresbilanz. Das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) zählt zu den mittleren Unternehmen alle, die zehn bis 499 Mitarbeiter haben und bis zu 50 Millionen Euro Umsatz schreiben.

Da aber Größe und Umsatz die Eigenheiten dieser Unternehmen als Arbeitgeber gar nicht erfassen, bedient man sich lieber des Begriffs der Familienunternehmen oder inhabergeführten Unternehmen. Deren Charakteristikum: Eigentum und Management liegen in einer Hand oder sehr eng beieinander. Und da ist es dann für die Unternehmens- und Führungskultur einerlei, ob die Firma noch als Mittelstand zählt oder wie bei Würth, Robert Bosch oder Dr. Oetker Milliarden umsetzt und mehrere Tausend Mitarbeiter zählt. 95 Prozent der deutschen Unternehmen - quer durch alle Branchen - werden nach einer Studie der Stiftung Familienunternehmen von ihren Inhabern geführt. Sie erwirtschaften 42 Prozent der deutschen Wertschöpfung und beschäftigten mehr als 13 Millionen Mitarbeiter - mehr als jeden zweiten deutschen Arbeitnehmer.

Mit einer Umsatzrendite von zehn bis zwölf Prozent vor Steuern schlagen sie die Gesamtwirtschaft um Längen, denn die schafft nur fünf bis sechs Prozent, sagt eine Studie der Unternehmensberatung Simon-Kucher & Partner. Ein Grund dafür ist, dass viele Firmen hochspezialisiert sind, langfristig ausgerichtet auf eine Nische, von der sie eine Menge verstehen - sei es als Windenergieanlagenbauer, als Fachunternehmen für Betonverschalungen, als Messgerätehersteller, als Spezialist für Schläuche aller Art oder Wurstwarenfabrikant.

Von den 2.000 globalen Weltmarktführern kommen laut Simon-Kucher zwei Drittel aus dem deutschsprachigen Raum. 70 Prozent der deutschen Hidden Champions sind mehrheitlich in Familienhand. Sie ticken oft gänzlich anders als ein Konzern. Die prägnantesten Unterschiede sind:

  • Flache Hierarchien. Für Berufsstarter bedeutet dies, dass sie schneller Verantwortung tragen können - aber auch müssen, denn Wegducken in die zweite Reihe funktioniert hier nicht, die eigenen Leistungen werden sichtbarer. Aber: Bei flachen Hierarchien stößt man schneller an Beförderungsgrenzen. Karriere sollte man daher eher als das Wachsen der Kompetenz verstehen als im Sinne von hierarchischem Aufstieg.
  • Mehr Generalist als Spezialist. Das individuelle Aufgabenspektrum fällt bei einem Mittelständler meist breiter aus als im Konzern.
  • Kurze Wege. Entscheidungen fallen schneller, weil weniger Instanzen einzubinden und weniger Leute zu überzeugen sind. Vorhaben können so viel schneller realisiert werden.
  • Eine gewisse Bodenständigkeit. Im Mittelstand sind Macher gefragt. Das Umsetzen einer Aufgabe gilt als wichtiger als der nächste Karriereschritt. Die Geschäftsleitung ist im Alltag oft sichtbarer als im Konzern. Passend dazu pflegen viele Familienunternehmen einen eigenen Wertekanon.
  • Regionale Verbundenheit. Familienunternehmen sind fast immer seit Jahrzehnten in einer Region ansässig und spielen da eine gesellschaftliche Rolle. Das erhöht für sie den Druck, ihren guten Ruf zu wahren - was Mitarbeitern eine gewisse Arbeitsplatzstabilität beschert.
  • Langfristige Ausrichtung. Da sie in der Regel keine Renditebedürfnisse von Finanzinvestoren erfüllen müssen, gönnen sich inhabergeführte Unternehmen längere Planungsintervalle. Neue Projekte bekommen mehr Anlaufzeit und Kontinuität und Nachhaltigkeit werden höher bewertet als schnelles Wachstum.

Unterm Strich sind Familienunternehmen sehr treu. Aber auch ihre Mitarbeiter sind es ihnen gegenüber: Die Fluktuation in der Belegschaft ist ausgesprochen niedrig. Im deutschen Durchschnitt verlassen mehr als sieben Prozent der Mitarbeiter pro Jahr ihren Arbeitgeber, in Familienunternehmen gehen
jährlich nur 2,7 Prozent.

Das gilt jedoch nur bedingt für Jobstarter, denn sie werden in der Probezeit nach allen Regeln der Kunst unter die Lupe genommen. Es muss halt passen. Querschläger fallen hier stärker zur Last als in Konzernen, wo man einen Kandidaten zur Not auch versetzen kann.

Nach einer Studie der Wirtschaftsprüfung Deloitte sind Mittelständlern daher auch persönliche und soziale Kompetenzen wichtiger als Fachkenntnisse. Mit glänzenden Noten können Bewerber hier weniger punkten als mit Praxiserfahrung, Generalisten-Know-how und vor allem Persönlichkeit. "Schließlich", sagt Stefan Heidbreder, Geschäftsführer der Stiftung Familienunternehmen, "geht es
hier nicht nur um Personal. Bei den meisten Mittelständlern ist man dann auch so etwas wie ein Familienmitglied." Ulrike Heitze

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