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Raus aus der Vertrauenskrise

Die ersten operativen Verluste seit 15 Jahren, erst 2011 wird sich das Geschäft der Banken wieder beruhigen. Derzeit muss die Finanzbranche um Vertrauen kämpfen. Vor allem die Privatbanken entdecken den Privatkunden neu - und brauchen qualifizierte Berater.

Chancen
"Die" Banken gibt es nur in den Nachrichten. In Wirklichkeit hat die Finanzkrise auch in dieser Branche dazu beigetragen, nachhaltige Geschäftsmodelle von gefährdeten zu trennen. Sie hat - wie alle Krisen - Gewinner und Verlierer hervorgebracht, auch bei den Geldhäusern.
Zu den Gewinnern zählen allen voran die chinesischen Banken. Gemessen am Börsenwert befinden sich mittlerweile drei chinesische Banken unter den zehn größten der Welt. Die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) ist sogar die größte Bank der Welt: Der chinesische Staatsbetrieb stieß die amerikanische Citigroup vom Thron, die nur durch staatliche Finanzhilfe vor dem Zusammenbruch gerettet werden konnte - Symbol für den Machtverlust der Amerikaner auf den internationalen Finanzmärkten.
Insgesamt haben sich die globalen Kräfteverhältnisse im Bankenmarkt zu Ungunsten der Amerikaner und zu Gunsten der Asiaten und Europäer verschoben. "Wir beobachten eine eindeutige Machtverschiebung von den amerikanischen Banken zu den europäischen", kons­tatiert Walter Sinn, Seniorpartner der Boston Consulting Group (BCG) und Bankenexperte. Der Grund: Viele europäische Geldhäuser sind breiter aufgestellt und haben eine größere Kundenbasis.
Die Bankenwelt des Jahres 2009 ist zweigeteilt in diejenigen, die um ihr Überleben kämpfen - und diejenigen, die schon wieder in die Zukunft schauen und überlegen, wo sie künftig Geld verdienen können. Die besten Chancen, sich schneller von der Krise zu erholen, haben nach einer Analyse von BCG die klassischen Universalbanken, die weniger krisengebeutelten Champions in Schwellenländern wie China und Brasilien und globale Spezialisten, die in einzelnen Geschäftsfeldern den Markt dominieren, etwa im Zahlungsverkehr.
Und genau diese Geldhäuser stellen auch jetzt noch ein und nutzen die Stunde, sich gute Leute von den Hochschulen oder der Konkurrenz zu holen. Die Headhunter im Finanzdienstleistungsmarkt freuen sich derzeit über Anrufe von richtig guten Kandidaten.
Es klingt paradox, aber im Moment gilt die Formel: Banken streichen Jobs, aber sie suchen Nachwuchskräfte. Der Grund: Die Schwerpunkte werden verlagert, das Geschäft sortiert sich neu. Wachsende Bedeutung bekommen dabei generell das Privatkundengeschäft und der Vertrieb. Während auf der einen Seite - etwa im IT-Bereich oder in der Buchhaltung - Arbeitsplätze weg brechen, will jede fünfte Bank in Deutschland 2009 in ihr Filialgeschäft inves­tieren. Das fand die Unternehmensberatung Steria Mummert Ende 2008 bei einer Umfrage heraus. Die Universalbanken hätten viele private Kunden mit Durchschnittseinkommen, denen die Berater bisher aber nicht viel mehr als ein Girokonto und eine Festgeldanlage verkauft hätten. Um nun profitabler zu werden, wollen diese Institute ihren Kunden nun verstärkt Anlageprodukte zur Altersvorsorge und Versicherungen anbieten. Dafür brauchen sie einen starken Vertrieb, so wie er bislang eher in der Versicherungsbranche üblich war.
Gesucht sind zurzeit aber auch Berater im gehobenen Privatkundengeschäft. Mag die Kreditkrise in der Welt auch toben, die Hoffnungen sind weiter groß auf das Geschäft mit gut betuchten Kunden, die ein Vermögen ab einer halben Million Euro aufwärts ihr eigen nennen. Der Vorteil für Jobsuchende: Um in der Vermögensverwaltung zu bestehen, brauchen die Banken weitaus mehr Mitarbeiter pro Kunde als im gewöhnlichen Privatkundengeschäft. Schließlich will die reiche Kundschaft umsorgt sein.
Auch die Deutsche Bank will auf das Segment setzen. Sie kündigte bereits an, europaweit rund 2.500 Berater einzustellen: "Die wertige Beratung steht vor einer Renaissance", heißt es aus der Frankfurter Chefetage. Die größte deutsche Bank hat sich zum Ziel gesetzt, mindestens 300.000 neue Privatkunden im Heimatmarkt zu gewinnen. Die Pläne reichen zunächst bis 2012: Bis dahin will die Deutsche Bank ihren Gewinn aus dem Privatkundengeschäft auf zwei Milliarden Euro verdoppeln.
Auch bei den Investmentbanken spielt sich eine interessante Marktverschiebung ab: Kleinere  Investmentbanken, sogenannte "Boutiquen" wie etwa Greenhill, Jefferies, Lazard oder Rothschild, die wegen ihrer etwas bescheideneren Vergütungsangebote bislang keine Chance hatten gegen große Häuser, nutzen jetzt die Gunst der Stunde, um der schwächelnden Konkurrenz frustrierte Topleute abzuwerben, die viele Kontakte im Markt haben und eine Menge Geschäft mitbringen.

Risiken
2009 und 2010 werden der Branche erstmals seit 15 Jahren einen operativen Verlust bescheren. Das bleibt natürlich nicht ohne Wirkung auf die Arbeitsplätze: Experten schätzen, dass durch die Finanzkrise bis März 2009 weltweit bereits 325.000 Banker ihren Job verloren haben.
Und auch jetzt steht noch immer die Frage im Raum, welche Häuser die Krise noch mit sich reißen wird: Zum Beispiel sind reine Investmentbanken als Gattung weitgehend ausgestorben. Sie sind entweder pleite wie Lehman Brothers und Bear Stearns oder sie wurden verkauft wie Merrill Lynch oder aber in normale Geschäftsbanken umgewandelt wie Goldman Sachs und Morgan Stanley.
Einstige Giganten wie die Citigroup oder die Schweizer UBS überlebten bislang nur mit Staatsbeteiligungen und ihre Zerschlagung ist nicht auszuschließen. Aber auch hierzulande verabschieden sich durch ihre Übernahme - zwar nicht als Marke im Markt, aber als eigenständige, unabhängige Institute - die Dresdner Bank und die Postbank. Auch die Zukunft der derzeit sieben Landesbanken steht in den Sternen. Dass es zu Fusionen unter ihnen kommen wird, ist wahrscheinlich und verzögert sich allenfalls noch durch politische Ränkespiele.
Wer also Banken als sein bevorzugtes Karriere-Ziel ausersehen hat, muss derzeit ganz besonders gründlich hinschauen, wo er landet. Julia Leendertse

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