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Ärgerlich - und mehr auch nicht

Absagen auf Bewerbungen sind kein Grund, von der Brücke zu springen. Wer weiß, wie Prozesse bei Arbeitgebern laufen, nimmt so was nicht persönlich.

Ein kurzer Blick auf den Din A 4-Umschlag im Briefkasten reicht. Schon wieder eine Absage auf die Bewerbung um einen Praktikumsplatz. Das dazu gehörige Schreiben ist kurz und knapp und der entscheidende Satz heißt: "Nach sorgfältiger Abwägung müssen wir Ihnen heute leider mitteilen, dass wir uns für einen anderen Bewerber entschieden haben". Oder: "Leider müssen wir Ihnen
mitteilen, dass wir Sie nicht in die engere Auswahl einbeziehen können".

So oder so ähnlich lauten viele Negativbescheide auf Praktikumsanfragen.
Und egal, ob man gehofft hatte, dass es gerade dieses Mal klappt oder schon
befürchtet hatte, dass es wieder nichts wird - es schmerzt und ist immer wieder frustrierend. Was tun? Einfach so tun, als ob nichts gewesen wäre? Zur Tagesordnung übergehen? Das bringt meist nichts, weil man sich schlecht fühlt und sich kaum auf etwas anderes konzentrieren kann.

Puzzle ohne Wertung der Person

Erfolgversprechender ist es, wissen Bewerbungsexperten, zunächst die negativen Gefühle auszuhalten, ihnen Raum zu geben und sie so mehr oder weniger abzureagieren. Egal, ob beim Mannschaftssport oder beim Joggen, einen ausgedehnten Spaziergang oder einer Tasse Tee mit Freunden: das alles schafft Distanz zur Situation und hilft sie einzuordnen. Die Darmstädter Karriereberaterin und Personalentwicklerin Sabine Harbort rät, die Absage als Lebenserfahrung zu verbuchen, nicht zu viel Kraft und Energie hineinzustecken
und sich das Hirn zu zermartern: "Leben ist eine Erfahrung."

Man ist eben nicht die einzige Person, die den Job gerne hätte oder das Praktikum. "Konzerne, die in attraktiven Branchen tätig sind, erhalten mehrere Zehntausend Bewerbungen für Praktikantenstellen im Jahr", weiß Jens Plinke, Fachberater Personalmarketing bei der Kienbaum-Tochter Terra. Macht man sich diese Größenordnung bewusst, wird deutlich, dass eine Absage kaum individuell verstanden werden kann.

Einige Unternehmen bemühen sich daher auch, das den Bewerbern in ihren Schreiben zu versichern: "Bitte betrachten Sie diese Entscheidung nicht als Wertung ihrer Person." Leichter geschrieben als getan. Doch beim Verdauen solcher Sätze hilft es, sich klar zu machen, wie standardisiert die Abläufe auf
Seiten der Unternehmen vielfach sind.

Bei der Allianz in München etwa gehen Praktikumsbewerbungen zu 90 Prozent
elektronisch ein - und Papierbewerbungen werden eingescannt. Bei jeder Bewerbung prüft die Personalabteilung zunächst ganz anonym mit den jeweiligen Fachabteilungen folgende Fragen: Ist zum gewünschten Zeitpunkt etwas frei? Stimmen die inhaltlichen Voraussetzungen? Passt der
Studienschwerpunkt?

Sind alle diese Antworten positiv, so erhält die Fachabteilung eine automatische
Mail mit der Mitteilung, dass in der Datenbank eine Info zu einem möglichen Praktikanten liegt. Zeigt sie Interesse, findet ein Bewerbungsgespräch statt. Entscheidet sich das Unternehmen anschließend gegen den Kandidaten, lautet die Absage etwa "Vielen Dank für das Gespräch. Wir haben uns für einen Bewerber entschieden, der fachlich besser zu unseren Erwartungen passt."

Dass so ein Satz nicht gerade ermunternd klingt, ist Brigitte Preuss, Personalberaterin bei der Allianz, durchaus bewusst: "Natürlich ist es schwer, das nicht persönlich zu nehmen", sagt sie. "Aber alle Puzzleteilchen müssen beim Unternehmen und beim Bewerber zusammenpassen." Und: "Es ist keine persönliche Schwäche, wenn das eigene Profil bei der Allianz weniger
und einer anderen Firma besser passt."

Unterlagen und Performance analysieren

Statt wegen solcher Absagen in Depressionen zu verfallen, sollten Bewerber lieber darüber nachdenken, wo sie sich noch bewerben könnten. Häufen sich die Absagen allerdings und kommen gar keine Einladungen zu Vorstellungsgesprächen, ist es wichtig, die Bewerbungsunterlagen noch einmal zu checken. Weisen sie formale Fehler auf? Ist die Qualifikation unzureichend? Sind die Noten schlecht? Passt der Studienschwerpunkt nicht zum geplanten Praktikum?

Im ersten Schritt ist hierzu sicher das Feedback von Freunden und Bekannten
sinnvoll, im zweiten kann es auch das eines Karriereberaters sein. Bei einem Drittel der Absagen, vermutet Thomas Kleb, Geschäftsführer von Terra Personalmarketing, liegt es daran, dass es der x-te Bewerbungsversuch ist und die Kandidaten sich einfach nicht mehr die Mühe machen, ihre Bewerbung jedes Mal wieder genau aufs Unternehmen hin zu individualisieren:
"Bewerber, auch wenn es um Praktika geht, haben die Aufgabe, ihr eigenes Profil zu klären und sich zu überlegen, wohin sie wollen, also beispielsweise, welche Branche sie anstreben. Und sie sollten sich darüber klar sein, dass Massenbewerbungen nur zu massenhaften Absagen führen."

Und wer dann die erste Hürde genommen hat, zum Vorstellungsgespräch
eingeladen wird, und danach eine Absage bekommt, sollte selbstkritisch sein Verhalten überdenken: Habe ich mich angemessen präsentiert? Habe ich zu stark monologisiert? Oder zuwenig nach dem Unternehmen gefragt und deshalb nur geringes Interesse signalisiert?

Um beim nächsten Mal seine Sache besser machen zu können, wäre es natürlich
nützlich, man wüsste, warum man das Praktikum nicht bekommen hat. Doch Antworten auf Fragen wie "Was genau hat die andere Person besser gemacht, was genau passte vom Profil her besser?" sind nicht leicht zu bekommen. Und nun ist es eher noch schwerer geworden, seit im August 2006 das Allgemeine
Gleichstellungsgesetz (AGG) in Kraft getreten ist, das Arbeitnehmer vor Diskriminierung schützen soll.

Bisher gibt es noch kaum Erfahrung mit der Rechtsprechung bezogen auf das AGG. Dr. Susanne Giesecke, Fachanwältin für Arbeitsrecht in München, weiß aber, dass viele Unternehmen sehr vorsichtig sind und aus Angst, Kandidaten könnten sie wegen Diskriminierung verklagen, gar keine Gründe für die Ablehnung von Bewerbern mehr nennen. Dabei werden Bewerbungen von Praktikanten im Sinne des AGG genauso behandelt wie von anderen Arbeitskräften auch. Versucht man daher eine telefonische Auskunft zum Grund der Absage zu erhalten, wird es meist heißen "Sorry, wir können nichts sagen."

Die Anwältin rät, sich von dieser rechtlichen Ausgangssituation nicht entmutigen
zu lassen und dennoch einen Versuch zu unternehmen: "Das zeigt Interesse am Unternehmen und an seiner Einschätzung, aber man sollte damit rechnen, keine Antwortzu bekommen." Nie sollte man allerdings versuchen, beim Nachhaken die Entscheidung noch wenden zu können, sondern zeigen, dass man die Entscheidung akzeptiert, aber für spätere Bewerbungen den Grund gerne kennen würde.

Der nächste Anlauf

Nach einer Absage ist es aber dennoch ratsam, es beim gleichen Unternehmen nach einer gewissen Zeit wieder zu versuchen, betont Jens Plinke von Terra. "Viele bewerben sich nach dem Vordiplom um ihr erstes Praktikum.
Dann bieten ihre Unterlagen aber den Unternehmen oft noch nicht so viel Information, weil sie sich beispielsweise im Studium noch nicht auf einen Schwerpunkt festgelegt haben. Zu einem späteren Zeitpunkt können sie aber mit einem ausgeprägteren Profil interessant für das Unternehmen sein."

Dass man "verbrannt" sein könnte, weil der eigene Name in Verbindung mit der
Absage in einer Datenbank vermerkt ist, könne in Ausnahmefällen vorkommen, sagt Plinke, aber "es lohnt sich auf jeden Fall, sich erneut vorzustellen. Da kann man nur gewinnen".

Administration oder Wertschätzung

Ohnehin geht die Entwicklung dahin, dass Arbeitgeber auch gute Kandidaten, die sie nicht berücksichtigt haben, als Bewerber für später in ihrem Talent-Pool halten. Wie sie das machen, dazu gab es 2004 einen von Terra mitorganisierten Wettbewerb, bei dem ein Award für das beste "Eisschreiben" vergeben wurde - ein wertschätzendes Schreiben, das dem Bewerber signalisiert: "Wir haben
grundsätzlich auch später Interesse an Dir!"

Award klingt gut, aber "die Quantität und Qualität der eingereichten Eisschreiben waren gering", resümmiert Personalexperte Kleb. Der Grund: "Die Anzahl der Bewerbungen hat durch die vielen Initiativbewerbungenstark zugenommen. Da aber aus Kostengründen die Mitarbeiterzahlen in den
Personalabteilungen vielfach sehr reduziert wurden, wird der Bewerbungsprozess zum Teil an Spezialisten ausgelagert." Typisch sei daher heute, dass Bewerbungen über die Website eingehen, per Bewerbermanagementtool bearbeitet werden und dann die standardisierte Absage folgt.

Und auch bei kleinen Unternehmen, wo Absagen händisch verarbeitet werden, seien das oft Word-Dokumente aus Textbausteinen, die vom Sachbearbeiter verschickt würden. Kleb sieht hier Defizite in der Kommunikation der Unternehmen und findet: "Das ist tröstlich für Praktikanten, sie sollten sich nicht zu sehr den Kopf zerbrechen, denn sie bekommen Antworten aufgrund standardisierter Prozesse und nicht in böser Absicht. Unter Umständen wird bei der Absage gar nicht mal mehr die vorhandene Korrespondenz angeschaut. Es ist weniger ein inhaltlicher als ein administrativer Akt.?

Seit zwei, drei Jahren registriert Kleb allerdings auch einen Bewusstseinswandel. Die Unternehmen versuchten zunehmend, wertschätzend abzusagen: "Wir versuchen, die für uns richtigen Talente zu finden. Dieses
Mal hat es leider nicht gepasst" oder so ähnlich.
Damit der Praktikant sich sagt: "Ich bin keine Nummer 113, vielleicht klappt es später."

Sich selbst absagen

Einen ganz anderen Blick auf Absagen hat Personalexpertin Harbort: "Manchmal sind es gerade die Absagen, die zu unserem persönlichen Glück beitragen. Denn in jeder Absage steckt die Kraft, seiner eigenen Bestimmung, seinem Herzenswunsch etwas näher zu kommen", ist sie überzeugt, denn
"es gibt eigentlich gar nicht das Richtige, manchmal ist gerade das, was wir für richtig erachten, das Falsche oder umgekehrt!"

Harbort rät, sich ganz konkret auch selbst abzusagen: "Wenn die mich nicht wollen, dann will ich sie auch nicht.? Danach sei der Kopf frei, sich zu fragen: "Was passt besser zu mir und meiner Bestimmung?"

Isabel Nitzsche

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