Pierre Tardu, 22, studiert Betriebswirtschaft und Internationales Management an der Hochschule Bremen
SCHÖNSTES PRAKTIKUM: Vier Monate bei "T&P Création" in Cotonou, Benin, Westafrika
"Über das Programm GLEN (Global Education Network of Young Europeans) bekam ich die Möglichkeit, nach Afrika zu gehen und ein Unternehmen in einem Entwicklungsland zu unterstützen.
In Cotonou, dem ökonomischen Zentrum von Benin, brauchte ein kleiner Konfektionsbetrieb namens T&P Création dringend Unterstützung. Die Firma, die von einem Beniner und einem Deutsch-Franzosen geleitet wurde, produzierte typisch afrikanische Mode. Das Konzept war an sich super: Zehn Mitarbeiter stellten hochwertige Hemden und Hosen her, die irgendwann auch in Frankreich und Deutschland vertrieben werden sollten.
Die Arbeitsbedingungen waren fair, das heißt: Die Arbeiter bekamen überdurchschnittlichen Lohn, hatten Urlaub, arbeiteten nur acht Stunden pro Tag und waren ordentlich versichert. In Benin selbst war die Kaufkraft aber so gering, dass sich die Menschen die Kleidung nicht leisten konnten. Ich habe viel analysiert, viel gerechnet, aber die Finanzkraft der Firma war zu schwach, um den Vertrieb umzustrukturieren. Wir haben Organisationen und Finanzinstitute um Kredite gebeten.
Doch leider konnten wir der Firma nicht helfen. Die Produktion musste gestoppt und die schon produzierte Kleidung verkauft werden. Das macht einen sehr traurig. Durch die Arbeit habe ich viel über Afrika gelernt. Und natürlich auch über mich. Als Europäer kann man sich kaum vorstellen, wie es ist, kein Wasser oder Strom zu haben. Jeden Tag zum Brunnen gehen zu müssen und abends nur mit Kerzenlicht lesen oder arbeiten zu können, ist schon eine Herausforderung. Aber eben eine, die einen stark macht."